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Ein Seemeilentörn

Malaga - Gibraltar - Lanzarote - Fuerteventura - Gran Canaria - Teneriffa - Gran Canaria


Seemeilentörn Seemeiltörn

Die Vorbereitungen zu diesem Törn sind spätestens abgeschlossen, als der Flieger am 14.11.99 (Sonntag) um 15.30 Uhr in Paderborn abhebt.Um 20.30 Uhr beziehen wir Unterkunft im Hotel Bahia bei Malaga (7.000 Pts einzeln).Abends Swordfish - Essen im nahegelegenen, empfohlenen Restaurant.

Wir, das sind :

              Alexander aus Emmerthal (Mechaniker)

               Bernd aus Schieder          (Koch)

               Erich aus Blomberg      (Mechaniker)

               Hajo aus Detmold        (DLRG und E-Ing.)

               Henning aus Groß Berkel (Telekom und Wetter)

               Wolfgang aus Emmerthal  (Marinereservist)

               Meine Wenigkeit, Bernd aus Hameln (Skipper)

                                   

Am 15.11.99 (Montag) betreten wir nach kurzer Taxifahrt im Ausgangshafen Benalmadena gegen Mittag das Deck unseres Schiffes, auf dem wir nun die nächsten drei Wochen gemeinsam verbringen wollen.

Balu ist eine Sonate Ovni 43, Aluminium also und Integral -schwerter mit 3.600 kg Blei in der Bilge bei 9.000 kg Gesamtgewicht.Absolut hochseetauglich, komfortabel und schnell.


Die Vorcrew, bestens gelaunt, bedauert aussteigen zu müssen („..Riesentörn!..“). Gleichwohl freut sich jeder auf Zuhause und wünscht uns Mast- und Schotbruch.Sie haben Balu von Mallorca aus hierher gesegelt.

Wir haben jetzt einiges zu tun.Einweisung ins Schiff.Die Genua ist noch beim Segelmacher.Es gab etwas zu flicken.Für den langen Törn war die alte Genua (mehr Segelfläche als die neue!) aufgezogen worden, die in einigen Stellen nachgibt.Sie soll noch drei Wochen halten. Die neue Genua bleibt in Reserve. Die anderen Segel(Kutter und Groß)sind neu.

Der Törn beginnt am 16.11.99 (Dienstag) um 12.30 Uhr und ist um 12.50 Uhr erst mal zu Ende.Beim Umsteuern einer Untiefentonne bricht der Gasbowdenzug.Irgenwie schaffen wir es zurück an die Tankstelle.

Gegen 17oo Uhr bekommen wir einen passenden Bowdenzug für 7.000 Pts, den unsere Mechaniker, technisch topfit, schnell eingebaut haben.Wir bleiben noch eine Nacht.

Am 17.11.99 (Mittwoch) geht´s dann endlich los.Den Wetterbericht vom Hafenmeister können wir durch E-mails aus Deutschland ergänzen.Henning hat einen Casio-Communicator dabei mit viel Platz auf dem Display. Hennings Freund Jörg, in Aerzen am Computer sitzend, versorgt uns mit den neuesten Wetterlagen, besorgt über´s Internet.Für unser Tagesziel Gibraltar sind Schauerböen angesagt, die aber ausbleiben. Bei schwachem NW und schließlich unter Maschine kurven wir an den vor Gibraltar auf Reede liegenden Frachtern und Tankern sowie am  Affenfelsen vorbei in den Hafen und machen um 1815 Uhr fest.Vorher gab es noch etwas Theater mit den britischen Behörden, der lückenlose Eigentumsnachweis wegen Balu war ihnen unklar.

Dann ein Schreck in der Abendstunde: die Karte von Madeira war weg, ebenso der Überflieger für den Nordatlantik.Ich hab´s doch gewußt.Wir hätten den Flieger nicht überstürzt besteigen, sondern noch einmal alles durchgehen sollen.Vielleicht wäre uns dann auch noch eingefallen, daß jemand seine Kaffeemaschine zu Hause vielleicht nicht abgestellt hat. Gibraltar ist nicht nur sehenswert.Die Marina bietet auch alles an Schiffsausrüstung und Reparaturmöglichkeiten.Die Karten englische)bekomme ich bei Gibraltar Chart Agency Ltd. nahebei (Kreisel, dann rechts im Block 5 der Hochhausreihe).

Am 18.11.99 (Donnerstag) brechen wir wegen der Kartensuche,und weil eine Isolierkanne entzweigegangen war und ersetzt werden mußte, später als geplant auf, weswegen dann in der Höhe von Tarifa der Strom gegen uns setzt (FdW 7,4 und FüG 4,8).Wir quälen uns zum Westausgang der Straße von Gibraltar, backbords die Gebirgszüge von Afrika.Unser Wetterfrosch in Aerzen sagt N bis NW 4 voraus.Nicht gut für unser nächstes Ziel Madeira.

Kreuzen ist angesagt.

Die Nacht ist klar.Der zunehmende Mond beschert uns ein wunderschönes Panorama.Voraus die Wellen des Atlantiks, die vom Bug zerteilt fluoreszierende Gischtstreifen entstehen lassen, die achteraus in der Unendlichkeit der Nacht verschwinden.

Der Morgen des 19.11.99 (Freitag) bringt etwas Arbeit.Der Wasserpumpenfilter wird entkalkt.Danach arbeitet das Maschinchen wieder einwandfrei.Wir kreuzen Richtung Madeira.Die Wache, jeweils 3 Mann, wechselt alle 4 Stunden.Gegen 0400 Uhr wird eingerefft.Unter Kuttersegel (Stagreiter) und Genua (etwas weiter herausgeholt, als das Kuttersegel groß ist) läuft Balu wie auf Schienen.20-25 Kn bringen Segelspaß in stockdunkler Nacht.Der Mond ist hinter einer geschlossenen Wolkendecke verschwunden.Fluoreszierende Kleinstlebewesen als einzige Lichtquelle bilden neben und hinter uns eine leuchtende Spur.

Die Balu, ein Komet im Atlantik.

Am Morgen des 20.11.99 (Samstag) binden wir das 3.Reff ein. 30-35 Kn aus 300° sorgen für eine schnelle Fahrt,  8-9 Kn und zeitweise mehr.Um uns herum springende Delphine.Den ganzen Vormittag beschäftigen uns die Schauerböenwalzen riesiger Wolkenfelder, die bis an den Horizonzt reichen.Die grenzenlos erscheinende Rundumsicht dabei vermittelt die Weite des Atlantiks und stimmt nachdenklich.

Gegen Abend lassen wir Madeira als Zwischenziel fallen.Der Wind um 30-40 Kn direkt aus der Zielrichtung hätte unseren Zeitplan gesprengt.Das Gegenankreuzen bei dieser extrem holprigen Strecke auf Tage hin hätte Mannschaft und Material über die Maßen strapaziert.Wenn also ein Ziel nicht zwingend erforderlich ist, sollte auch der Mut gefunden werden, das Vorhaben aufzugeben und einen leichteren Weg zu suchen.Nie mit dem Kopf durch die Wand!

Der in Gibraltar gekaufte Überflieger - es gab keinen anderen- hat einen Maßstab von  1 : 10.000.000.Auf ihm sind wir nur um Millimeter in Richtung Madeira vorangekommen.Diesen Frust kann man sich ja auch sparen.

Wir fallen ab auf Halbwindkurs und legen Kurs an auf Lanzarote. Mit dreifachem Reff, Kutter und  ¼ der Genua schießen wir mit 8-9 Knoten Fahrt durch den Atlantik.Es ist wie Achterbahnfahren bei Vollmond, den die Schichtbewölkung leider meist verdeckt.

Wachwechsel um 0400 Uhr am 21.11.99 (Sonntag).

Langanhaltende schwere Böen setzen uns zu.Die Genua muß rein. Wir werden zu schnell.Zudem hat der Wind auf NNE gedreht.Nun muß der Bullenstander gesetzt werden.Ein Balanceakt bei Nacht auf der zeitweise surfenden Balu, die die hohen und langen Atlantikwellen in Schußfahrt herunterrauscht.Ein phantastisches Szenario.Um uns herum die brausende schäumende See, über uns gespenstisch anmutende fliegende Wolkenfetzen, die gelegentlich das helle Vollmondlicht durchlassen, wodurch das ganze Geschehen in einem seltsam fahlen Licht sichtbar wird.

Im Laufe des Vormittags dreht der Wind weiter auf NE und geht auf 20 Kn zurück.Wir reffen aus, stellen die Genua auf ½ und baumen sie aus.Nach dem Mittagessen werden die Böen wieder länger und stärker.Alles wird wieder abgebaut, 1.Reff und die Genua auf ½, (Verdauungsspaziergang auf dem Vorschiff).

Längere und anhaltende Böen machen Balu luvgierig. Nach Einbinden des 2.Reffs und unter Kutter sowie halber Genua läuft sie wieder brav geradeaus mit 8-9, zeitweise 10-11 Knoten.

Der hochgehende Atlantik, inzwischen gut 10 Meter, verlangt vom Steuermann alles.Trotzdem kommt Balu bei einer zu sehr seitlich einlaufenden sehr hohen See fast quer.Die See bricht und klatscht mit laut dröhnendem Schlag an die Bordwand.Der Bug bricht nach Backbord aus, aber Balu fängt sich sofort.Insgesamt hat die Sonate auf der Seereise ihre Seetüchtigkeit überzeugend unter Beweis gestellt, darüber sind wir uns alle einig.

Beim Aussteuern der von achtern kommenden Seen macht sich aber allmählich ein technischer Defekt in der Ruderanlage bemerkbar. Auf Steuerbordbug fängt der Zahnkranz im Rohr an überzuspringen, wenn stark gegengelenkt wird.Teilweise wurde mit aller Kraft gegengesteuert, wenn die hohe See das Schiff zur Seite wegschieben wollte.Neuerdings hören wir dabei ein entsetzlich auf die Nerven gehendes Knacken.Was ist, wenn wir bei diesem Seegang mit der Notpinne steuern müssen? Wir steuern jetzt die See mit noch mehr Gefühl aus, lassen den ersten Druck der unter uns durchbrausenden See wirken, ohne gegenzusteuern.Erst dann, wenn die Gefahr des Querkommens zu groß wird, lenken wir gegen.

Das Knacken kommt jetzt seltener, bleibt aber eine Nervenbelastung. Das 3.Reff wird eingebunden, die Genua eingerollt, das Groß geschiftet auf Backbordbug.Balu läuft jetzt besser geradeaus. Gegen Abend schiebt sich wieder einmal von achtern eine dunkle Wand heran mit schwarzen, nach unten gehenden schmalen Streifen.
Steuerbord voraus erleben wir einen flammendroten Sonnenuntergang.

Was wird uns die Nacht bringen?

Vorwindkurs liegt an.Der Steuermann schaut konzentriert voraus. Wenn wir ihn angrinsen, weiß er Bescheid: Eine besonders hohe Wasserwand läuft von achtern heran und hebt das Schiff an.Unser Grinsen warnt ihn davor so rechtzeitig, daß er sich auf den Kurs konzentrieren kann.Die See läuft dann brausend und schäumend unter uns durch.

22.11.99 (Montag). Der Wind aus NE ist auf 12 Knoten zurückgegangen.Fahrt unter voller Besegelung etwa 6 Knoten.Kurs Lanzarote. Endlich kommt der Übersegler mit dem viel zu kleinen Maßstab in den Navitisch. Und endlich sehe ich auf der neuen Karte, daß wir vorankommen.Dutzende von Delphinen begleiten uns längere Zeit, springen manchmal in Formation aus dem Wasser.Manche drehen dabei im Flug Piruetten.Am Abend brist es wieder auf.

Und wieder schleichen sich von achtern diese drohenden blaugrauen Wolkenwände heran.Trotzdem: Wir genießen das Segeln bei Vollmond und sternklarer Nacht. Die schwarzen Wolken ziehen an uns vorbei.

Wir stellen uns schon den Landfall auf Lanzarote vor.Doch es wird noch einmal spannend.In der Kimm steuerbord voraus erscheint ein rotes Licht.Weitere rote Lichter und weiß dazu tauchen auf.Fischer! Da wollen wir nicht durch.Zu allem Übel scheinen sie unseren Kurs von Steuerbord voraus kreuzen zu wollen.Allmählich wimmelt es von rot-weiß.Auf der Karte sehe ich: Direkt voraus befindet sich die Conception Bank, die Lanzarote vorgelagert ist.Innerhalb von wenigen Seemeilen hebt sich dort der Atlantikgrund von 1.500 m auf 180 m. Klar, daß auf dieser Bank gefischt wird.

Wir müssen unseren Kurs von SW auf S verändern, um der Flotille auszuweichen.Das bedeutet hart anluven. Mit 3.Reff und nur mit Kuttersegel jagen wir parallel zu der ziehenden Fischfangflotte durch die brausende See.Klare Sicht und Vollmond bescheren uns ein respekteinfößendes Panorama.So muß es in einem U-Boot sein, wo nur noch der offene Turm durch die Wellen schiebt.Der scheinbare Wind zeigt 45 Knoten an.Endlich sind wir an den Fischern vorbei.Conception Bank kann gerundet werden.Nach 2 Stunden Wasserschlacht fallen wir um 0230 Uhr

(23.11.99,
Dienstag) wieder ab auf Kurs Lanzarote.

Um 0800 Uhr dann der Ruf: „Land in Sicht!“ Um 1630 Uhr trage ich ins Logbuch ein: Leinen fest in Puerto Calero, Lanzarote.Wir sind da.Alle sind sich einig.Die Ausschreibung für diesen Törn „Nichts für Kaffeesegler“ war gerechtfertigt.

Für den nächsten Tag, Mittwoch, den 24.11.99, chartern wir einen Van und gönnen uns eine Inselrundfahrt.Wir besuchen das Vulkan -> Naturschutzgebiet „Parque Nacional de Timanfaya“ und besichtigen auch die Lavatunnel unter der Erde, die Cueva de los Verdes.

Eine empfehlenswerte Aktion, ebenso das Abendessen im vielgelobten Restaurant La Era (Landhaus) in Yaiza.

Den nächsten Tag, Donnerstag, den 25.1.99, nutzen wir, in dem sehr sicheren und komfortablen Hafen ohnehin inzwischen eingeweht, mit Arbeiten am Schiff.Das Steuerrad wird abgebaut, das Rohr auseinandergebaut,Abnutzungsrückstände werden entfernt, das Zahnrad so gesetzt, daß die abgenutzten Zähne fortan an einer wenig beanspruchten Stelle zum Einsatz kommen. Der Grund für den Schaden war eine gelockerte Befestigungsschraube in der Zahnkranzabdeckplatte.Das Knacken ist ab jetzt verschwunden.

Freitag, den 26.11.99, segeln wir nach Fuerteventura bei 30 –40 Knoten Nordostpassat und treffen gegen 2200 Uhr auf Morro Jable an der Südspitze der Insel.Die Ansteuerung des Hafens bringt wieder Streß.Die berüchtigten Mosquitos (Fallwinde) fallen in Sturmstärke über uns her.Gut, daß wir auf sie vorbereitet sind, denn das Hafenhandbuch weist schließlich auf sie hin.So sind die Schoten alarmbesetzt, werden sofort losgeworfen und die Segel werden geborgen. Im Westteil des Hafens versuchen wir zu ankern.Ein hoffnungsloses Unterfangen.Die Fallböen schieben uns immer wieder weg.Gut eine Stunde lang suchen wir Halt.Vergeblich.Im Hafenhandbuch steht ja auch: schlechter Ankergrund.

Der Morgen des 27.11.99 (Samstag) zeigt, daß Ankern unter diesen Bedingungen garnicht klappen konnte.Der Ankergrund ist schräg und aus Beton. Der Anker rutschte im Schlick nur so herum, so daß wir zwischen den um uns herum an Moorings festliegenden Schiffen vom Wind hin und her geschoben wurden.

Wir hatten dann an der Anlegestelle der Fähre festgemacht. Tidenhub ca. 1,80 m. Starkwind hielt uns von der Kaimauer frei.

Um 0900 Uhr heißt es wieder Leinen los.Ein Hafenmeister hatte sich weder blicken lassen, noch war das Büro besetzt.Wir werden das Hafengeld nicht los und legen Kurs an auf Pasito Blanco, auf Gran Canaria.Der kleine Hafen befindet sich hinter dem Leuchtturm von Maspalomas. Die Überfahrt gestaltet sich zum Blauwassersegeln in allerreinster Form.Sonne satt,tiefblaues Wasser, blauer Himmel, schneeweiße Schaumkronen.In der Kombüse duftet es mal wieder verführerisch.Wie schon auf der ganzen Reise versorgt uns Bernd auch heute mit einem professionell zubereiteten Gericht (gelernt ist gelernt).Nach Sonnenuntergang sehen wir voraus das funkelnde Panorama von Maspalomas.Und Backbord voraus den Leuchtturm, Pt.de Maspalomas.Wir stellen Abweichungen fest in den Beschreibungen der Feuer (Leuchtturm, Hafen), Handbuch ungleich Seekarte.Überhaupt ist das schwache Molenfeuer wegen der sehr starken Hintergrundbeleuchtung an Land schlecht auszumachen.Wir müssen sehr nah an die Küste ran, bis wir es sehen.

Um 22oo Uhr nach vorsichtiger Ansteuerung der Mini-Einfahrt heißt es Leinen fest.

28.11.99 (Sonntag). Playa del Ingles.Sonnenland von Maspalomas.Endlich Wasser nur noch vor uns.Unter uns jetzt nur Sand (schaukelt es nicht etwas, so wie auf dem Klo im Hafen?).Über uns blauer Himmel mit viel Sonne und um uns herum die übliche Fleischbeschau.

29.11.99 (Montag). Geruhsamer Hafentag. Um 2005 Uhr dann wieder Leinen los und Kurs auf Santa Cruz de Tenerife.In der berüchtigten Düse zwischen Gran Canaria und Teneriffa legt der Wind auf 30 Knoten zu und kommt aus Nord.Es heißt mal wieder Gegenanknüppeln und schlechte Wegstrecke, um zur Nordostspitze Teneriffas zu gelangen.Schon ab 0200 Uhr sehen wir voraus auf breiter Front das Lichtermeer von Teneriffa.Wir kreuzen ohne Ende.Um 0950 Uhr dann Leinen fest in der Marina del Atlantico.          

30.11.99 (Dienstag). Hafentag mit Ausruhen und Shopping.

01.12.99 (Mittwoch). Mit einem Miet-Van kurven wir durch eine kontrastreiche Landschaft mit vulkanischen Schluchten, grünen Tälern und kahlen Vulkanfelsen rauf zum Teide und gucken uns das Wasser und den Hafen von oben an.Eine schöne Fahrt.Abends dreht der Wind auf Süd.Ein schlechtes Zeichen in den Kanaren.Auf der Wetterkarte im Hafenmeisterbüro ist der bevorstehende Durchgang zweier Tiefs vorhersehbar. Wir werden die Lücke zwischen den beiden Tiefs für den Sprung zurück nach Pasito Blanco nutzen müssen, wenn wir den Flieger erreichen wollen. Auch ist PasitoBlanco Winterquartier für die Balu.

Abends messen wir um 40 Knoten im Hafen.Was wird jetzt draußen los sein? Mir fällt mal wieder der Spruch ein: Es ist besser hier zu sein und zu wünschen, man wäre draußen, als draußen zu sein und zu wünschen, man wäre hier.

Schwere, lange Sturmböen zerren an den Festmachern.Eine neben uns liegende Yacht schaukelt sich auf, als sei der Kiel abgefallen.Irgendwo knallt eine andere Yacht an die Kaimauer.

Ein Katamaran scheuert sich den Schwimmkörper kaputt.Zu dumm, daß die Schwimmstege voll belegt waren.Trotz der Südmole steht starker Schwell im Hafen.Um 2300 Uhr verholen wir dichter an die Mooring.So liegen wir versetzt zu den Nachbaryachten und die Masten können jetzt nicht mehr zusammenschlagen.Die Gefahr dazu war akut.Wir sind nun aber weiter von der Kaimauer weg und zwei jetzt aus der Hafenkneipe zurückkehrende Besatzungsmitglieder haben Mühe an Bord zu gelangen („Das Schiff ist weg!“).

Gegen 0400 Uhr scheint das erste Tief durch zu sein.DerLuftdruck ist angestiegen, der Wind auf 20-25 Knoten zurückgegangen, jedoch weiterhin aus Süd. Das ist die Lücke!

02.12.99 (Donnerstag). Die Entscheidung fällt um 0500 Uhr. Klar zum Ablegen! Unsere beiden Kneipengänger heuern ab.Sie wollen von hier aus die Heimreise antreten und ihre Flüge umbuchen. Hatte der Klabautermann zu feste an den Scheiben der Hafenkneipe gerüttelt?

Um 0600 Uhr dann Leinen los.Wir steuern im Dunkeln auf die Hafenausfahrt zu und hören das Tosen und Krachen der auflaufenden Brandung.Der Hafen öffnet in die Richtung, aus der die See heranrollt.Vorsichtshalber verholen wir uns an die Innenseite der Südmole, um das Tageslicht abzuwarten.Um 0715 dann dampfen wir durch die Brandung, setzen sofort das Groß im 3.Reff, das Kuttersegel und die Genua zu ½. Hatten wir vorgestern Nordwind und mußten dahin, haben wir heute Süd und wollen da hin.Klar doch, immer dieselbe Leier: Kreuz-fahrt ohne Ende.

Mittags bergen wir die Segel und nehmen unter Maschine Direktkurs ein. Wir möchten gern im Hellen in den kleinen Hafen Pasito Blanco einsteuern.Seegang und Strom aber lassen das Vorhaben scheitern.Wir kommen kaum vorwärts.Also Segel setzen, Maschine wieder aus und Weiterkreuzen, glücklicherweise bei abnehmendem Wind. Endlich um 0025 Uhr Leinen fest in Pasito Blanco.Unser Seemeilentörn ist zu Ende und 1.200 Seemeilen stehen auf der Logge.

03.12.99 (Freitag). Hafentag zum Relaxen und abends ein Anstandsbesuch in der Disco „Bonny-M“. Die Reklame für die Disco stand auf einer Fahne hinter einer Cessna, die ständig die Strände abflog.

04.12.99 (Samstag). Klar Schiff und anschließend im Mietskoda nach Las Palmas, um am Playa de Las Canteras ein Bier bzw. Cafe con Leche zu trinken und die Strandstanduhr (29°) zu fotografieren.Zurück geht`s durch den bizarren, zerklüfteten Norden Gran Canarias.Stundenlanges Kurbeln in Serpentinen mit tiefen Schluchten neben den Leitplanken.Teilweise geht es so steil bergan, daß nur noch Kriechtempo im 1.Gang möglich ist.

Gelegentlich halten wir, um die überwältigenden Ausblicke zu genießen und auf`s Bild zu bannen.Die höchste Stelle war etwa 1.750 m hoch.Wir umfahren wuchtige und wolkenverhangene Bergmassive.Auf den engen Straßen müssen wir mehrmals gerade herabgestürzte Felsbrocken aussteuern.

Für Marzipanfreunde wie mich: In Tejeda, einem kleinen Dorf auf der Strecke, gibt es eine kleine Dulceria, wo man herrliche Marzipankreationen kaufen kann.

Die Tour:


Pasito Blanco – Las Palmas

1 Stunde Autobahn

Las Palmas – Teror – Valleseco  - Tejeda – San Bartolome - Maspalomas – Pasito Blanco    

5 Stunden Kreuzen


05.12.99 (Sonntag). Rückflug nach Paderborn.Der Flug soll eine Stunde länger dauern, sagt der Pilot, Gegenwind. Klar doch! Gibt´s auch mal was Neues?

Dann auf der B 1 im Schrittempo.Glatteisstau, was denn sonst?!

Müßig zu erwähnen, daß vorher auf dem Parkplatz mein Auto nicht mehr ansprang. Im (Gegen)wind stehend hat die alte Batterie nach drei Wochen nichts mehr zu melden gehabt.

 

Trotz allem:    Ein Supertörn !!


Yacht - Club Hameln e.V. - Stubenstraße 30 (Ritterpassage an der Stadt-Galerie), 31785 Hameln - 05151 / 821160